5. Februar, 8 Uhr.
Der Abbau der Orgel auf der Empore der Allerheiligenkirche beginnt. Unter der Leitung von Pater Ksawery Majewski aus Polen wird die zehn Tonnen schwere Walcker-Orgel innerhalb einer Woche fachkundig zerlegt, verpackt und verladen. Zehn kundige Mitarbeiter, darunter auch Patres, packen das zeitlich ehrgeizige Vorhaben mit enormem Elan an.
Ein Orgelabbau ist eher selten. Noch seltener ist der Umstand, dass das Instrument an einem anderen Ort weiterhin erklingen darf – im Fall der Walcker-Orgel in einer Klosterkirche im polnischen Kattowitz (Gemeinde Panewniki).
Hierzulande hätte das Instrument nur mit unverhältnismäßig großem finanziellen Aufwand erhalten werden können. Ein Abbau-Ereignis also, dass auch die Medien auf den Plan ruft…
Der Bayerische Rundfunk rückt mit einem Fernsehteam an, Pfarrer Rainer Gast und Organist Wolfgang Breunig schildern die Beweggründe und Umstände rund um den Abbau, zudem die Gefühle, die sie dabei bewegen. Weiterhin berichten über das Ereignis die Nürnberger Nachrichten und die Nürnberger Zeitung wie auch das „Heinrichsblatt“, Kirchenzeitung des Erzbistums Bamberg,
Einige der Orgelpfeifen wiegen 90 Kilo und mehr. Vorsichtig werden sie in einer Gemeinschaftsaktion aus dem Prospekt herausgehoben und von der Empore Stück für Stück in den Kirchenraum abgeseilt. Bis zum Einladen in die Lkw lagern sie auf den Sitzbänken der Kirche - ein Pfeife pro Bank. Für den Transport werden sie schützend verpackt.
Wie unzählige Schrauben, kleinere und kleinste Holz- und Metall-Pfeifen, die Metallzüge, das Gehäuse und vieles mehr, was eine Orgel zum Erklingen bringt, gelangt auch der Spieltisch über eine Transportapparatur von der Empore hinunter in den Kirchenraum, der sich immer mehr zu einer Art Einzelteillager entwickelt.
9. Februar, letzter Abbautag.
Die Empore ist leer. Ein Mitarbeiter klaubt Schrauben aus zusammengekehrten Resten. Die Orgel wird mit all ihren Registern und Bestandteilen in Lkw verladen.
Beim schweren Spieltisch müssen etliche Helfer zupacken, dann ist auch er auf dem Weg in die neue, polnische Heimat.
Während die neue Orgel (Firma Weimbs) im Bau ist, wird der Kirchenraum saniert (Reinigung der Wandmalereien, aller Wände und der Decke; Erneuerung der Elektrik und Tonanlage; neues Lichtkonzept). Auch der Baldachin soll gereinigt in ursprünglicher Farbigkeit erstrahlen: Zur fachlichen Begutachtung wurde er schon mal bis zum Altar hinunter abgesenkt…
Bis zum Ende der Arbeiten ist die Kirche geschlossen. Ziel ist, das Weihnachtsfest 2024 wieder in der frisch sanierten Pfarrkirche feiern zu können. Auf die neue Orgel wird die Gemeinde allerdings noch etwas warten müssen…
Die Bilder in der Galerie sind von Tilmann Grewe, der Text von Anabel Schaffer - herzlichen Dank dafür!